Freiberufler profitieren von der einfachsten Buchführungsform: der Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Trotzdem verbringen viele Selbstständige jeden Monat Stunden mit Belegen sammeln, Rechnungen schreiben und USt-Voranmeldungen. Mit dem richtigen Setup geht das in 30 Minuten pro Monat – versprochen.
Warum Freiberufler es einfacher haben
Freiberufler (Ärzte, Anwälte, Journalisten, Designer, Berater, Fotografen …) sind nach § 18 EStG von der Buchführungspflicht befreit. Das bedeutet:
- Keine doppelte Buchführung, keine Bilanz, keine Handelsregister-Pflicht
- EÜR genügt – einmal jährlich für die Steuererklärung
- USt-Voranmeldung nur, solange die Umsatzgrenzen des § 18 UStG überschritten sind (nach Gründung 2 Jahre monatlich, danach je nach Vorjahresumsatz)
Der 30-Minuten-Monatsablauf
- Rechnungen prüfen (5 Min.): Sind alle Ausgangsrechnungen des Monats raus? Offene Posten gemahnt?
- Belege erfassen (10 Min.): Eingangsrechnungen, Fahrkarten, Software-Abos per Foto/Scan in die Software – OCR liest Betrag, Datum, Lieferant aus
- Bankabgleich (10 Min.): Transaktionen automatisch abgleichen, Zahlungen Rechnungen zuordnen
- USt-Voranmeldung (5 Min.): Aus der Software direkt an ELSTER übermitteln
Der Rest passiert automatisch: Wiederkehrende Rechnungen, Mahnwesen, Kategorien für wiederkehrende Ausgaben.
Was Freiberufler absetzen können
Die häufigsten Betriebsausgaben:
- Arbeitszimmer (bis 1.250 €/Jahr bei Mittelpunkt der Tätigkeit) und Schreibtisch-Ausstattung
- Fachliteratur, Fortbildungen, Fachverbandsbeiträge
- Berufliche Fahrten (0,30 €/km oder 1%-Regelung bei Firmenwagen)
- Software & Abos – inklusive der Buchhaltungssoftware selbst
- Versicherungen (Berufshaftpflicht, Berufsunfähigkeit als Vorsorgeaufwand)
- Kranken-/Rentenversicherung – bei freiwillig Versicherten voll absetzbar
- Telefon/Internet anteilig, Hardware (einmalig bis 800 € netto sofort, darüber abschreiben)
Achtung: Bewirtungsbelege sind nur zu 30 % absetzbar, Geschenke an Kunden nur bis 50 € netto pro Jahr und Kunde.
Rücklagen, die Sie bilden sollten
Freiberufler ohne Rücklagenpuffer geraten schnell in Schwierigkeiten. Bewährt:
- 25–30 % für Einkommensteuer (je nach Steuersatz)
- 19 % für Umsatzsteuer (wenn umsatzsteuerpflichtig)
- 3 Monate Lebenshaltungskosten als Notgasse
Programme wie Accountable oder Kontist rechnen diese Rücklagen pro eingehender Zahlung live mit – Unterkonten oder Sparpläne machen daraus echtes Geld.
Software-Empfehlungen nach Typ
| Typ | Empfehlung | Warum |
|---|---|---|
| Kleinunternehmer / Starter | Accountable, Kontist | Kleinunternehmer-Modus, Steuer-Rücklagen, App-first |
| Etabliert mit vielen Belegen | sevdesk, Lexware Office | OCR-Belegerfassung, DATEV-Export, E-Rechnung |
| Minimalist | Papierkram, Norman | Schlank, günstig, ohne Ballast |
Häufige Fehler
- Belege erst im März sammeln – OCR-Apps machen das Unterwegs-Erfassen trivial, nutzen Sie sie laufend
- Private und geschäftliche Zahlungen mischen – führt zu Rückfragen und Mehraufwand
- USt-Voranmeldung vergessen – Verspätungszuschlag von 0,25 % der USt pro Monat, mindestens 25 €
- Keine Rücklagen – die Steuer-Nachzahlung im Folgejahr ist der häufigste Grund für Freiberufler-Schulden
Fazit
Freiberufler-Buchhaltung ist mit EÜR, digitalen Belegen und automatisierter USt-Voranmeldung ein 30-Minuten-Thema pro Monat. Wer startklar werden will, findet in unserem Anbieter-Vergleich das passende Tool – und in Kleinunternehmer-Buchhaltung die Regeln für die ersten Jahre.
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